Heraus zum 8.März 2011! Yasasin 8 Mart!



Zusammen Kämpfen gegen Patriarchat, Ausbeutung und Unterdrückung!

Vor 100 Jahren, am 19. März 1911, wurde zum ersten Mal der Internationale Frauenkampftag begangen. Allein in Deutschland nahmen über eine Million (mehrheitlich) Frauen und Männer an Veranstaltungen und Demonstrationen teil. Eingebunden in die Kämpfe der internationalen sozialistischen Bewegung, forderten die Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts in erster Linie politische Mündigkeit (Frauenwahlrecht) und Gleichbehandlung auf dem Arbeitsmarkt. Gleichzeitig ging es jedoch auch um eine grundsätzliche Emanzipation im Rahmen einer revolutionären Überwindung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. So Clara Zetkin in der “Gleicheit” zum Frauentag: „Wir müssen Sorge tragen, daß der Frauentag nicht nur eine glänzende Demonstration für die politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts, sondern darüber hinaus der Ausdruck einer Rebellion gegen den Kapitalismus, eine leidenschaftliche Kampfansage all den reaktionären Maßnahmen der besitzenden und ihrer willfähigen Dienerschaft, der Regierung ist.“

Auch heute sind diese Forderungen nach wie vor aktuell. Ob in der Türkei/Nordkurdistan oder in den europäischen Metropolen. Überall auf der Welt leben Frauen in patriarchalen Herrschaftsverhältnissen, sind konfrontiert mit Ausbeutung und Unterdrük-kung. Nach wie vor werden Frauen durch unbezahlte Reproduktionsarbeiten ausgebeutet, bleiben in familiären Strukturen gefangen und sind betroffen von häuslicher und sexualisierter Gewalt. Auf dem Arbeitsmarkt werden Frauen in prekäre Beschäftigungsverhältnisse gezwungen und müssen sich vermehrt mit mehreren Jobs gleichzeitig rumschlagen, um ihre Existenz zu sichern. Deshalb gilt auch heute die Frage der Geschlechterverhältnisse nicht losgelöst von der grundsätzlichen kapitalistischen Beschaffenheit der Gesellschaft zu denken und für die Perspektive einer revolutionären Überwindung dieser Verhältnisse einzutreten. Dazu wollen wir rund um den 8. März mit Demonstrationen, Veranstaltungen und Aktionen beitragen.

DEMONSTRATION | Freitag | 11. März | 16 Uhr | U-BHF Rathaus Neukölln
VERANSTALTUNG | Dienstag | 8. März | 19 Uhr | junge Welt-Ladengalerie | Torstraße 6


Aufruf:

Zusammen Kämpfen gegen Patriarchat, Ausbeutung und Unterdrückung!

Vor 100 Jahren wurde der internationale Kampftag der Frauen erstmalig begangen. Auf Beschluss der Zweiten Internationalen Frauenkonferenz in Kopenhagen versammelten sich am 19. März 1911 Frauen in Dänemark, Österreich, der Schweiz und den USA. Auch in Deutschland nahmen über eine Millionen Menschen (hauptsächlich Frauen) daran teil. Eingebunden in die Kämpfe der internationalen sozialistischen Bewegung, forderten die Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts in erster Linie politische Mündigkeit (Frauenwahlrecht) und Gleichbehandlung auf dem Arbeitsmarkt. Gleichzeitig ging es jedoch auch um eine grundsätzliche Emanzipation im Rahmen einer revolutionären Überwindung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. So Clara Zetkin in der “Gleichheit” zum Frauentag: „Wir müssen Sorge tragen, daß der Frauentag nicht nur eine glänzende Demonstration für die politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts, sondern darüber hinaus der Ausdruck einer Rebellion gegen den Kapitalismus, eine leidenschaftliche Kampfansage all den reaktionären Maßnahmen der Besitzenden und ihrer willfähigen Dienerschaft, der Regierung ist.“

Bereits alles erreicht?

Heute verbinden die meisten Jugendlichen mit Frauenemanzipation das Recht Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen, wirkliche Unterdrückung scheint nur in anderen Ländern vorzukommen. Seit etwa 90 Jahren dürfen Frauen in Deutschland wählen, mit dem Grundgesetz werden Männer und Frauen in der BRD verfassungsrechtlich gleichgestellt und 1979 auch im Arbeitsleben. Diese vor allem durch Frauen im Zusammenwirken mit anderen sozialen Bewegungen erreichten Ziele sind wichtig, doch Emanzipation bedeutet in unseren Augen mehr als bloße rechtliche Gleichstellung, es geht um sexuelle und individuelle Selbstbestimmung, es geht um das Aufbrechen der Vorherrschaft von Männern über Strukturen, es geht um selbstbestimmte Lebensgestaltung.

Auch heute sind diese Forderungen nach wie vor aktuell. Ob in der Türkei/Nordkurdistan oder in den europäischen Metropolen, überall auf der Welt leben Frauen in patriarchalen Herrschaftsverhältnissen, sind konfrontiert mit Ausbeutung und Unterdrückung. Nach wie vor werden Frauen durch unbezahlte Erziehungs- und Hausarbeit ausgebeutet, bleiben in familiären Strukturen gefangen und sind betroffen von häuslicher und sexualisierter Gewalt. Auf dem Arbeitsmarkt werden Frauen in prekäre Beschäftigungsverhältnisse gezwungen und müssen sich vermehrt mit mehreren Jobs gleichzeitig rumschlagen, um ihre Existenz zu sichern. Deshalb gilt auch heute, die Frage der Geschlechterverhältnisse nicht losgelöst von der grundsätzlichen kapitalistischen Beschaffenheit der Gesellschaft zu denken und für die Perspektive einer revolutionären Überwindung dieser Verhältnisse einzutreten.

Kapitalismus und Patriarchat

In der Gesellschaft, in der wir heute leben, dem Kapitalismus, werden Mädchen und Frauen trotz einer formalen Gleichberechtigung diskriminiert. Trotz aller angeblichen Bemühungen, Frauen die gleichen Rechte zuzugestehen, ändert sich daran nichts. Sie sind wie alle Menschen dazu gezwungen ihre Arbeitskraft zu Markte zu tragen um überleben zu können, jedoch meist zu deutlich schlechteren Konditionen als Männer. Sie erhalten immer noch weniger Lohn für die gleiche Arbeit und müssen häufig schlechtere Arbeitsbedingungen hinnehmen.
Auch heute wird der Großteil der Haus- und Erziehungsarbeit noch von Frauen verrichtet. Vor allem ärmere Frauen sind dadurch schlechter gestellt – im Gegensatz zu Besserverdienenden, die sich private Dienstleistungen wie Reinigungskräfte oder Kindermädchen leisten. Besonders betroffen sind alleinerziehende Frauen, die häufig nur in Teilzeit arbeiten können, fast die Hälfte von ihnen kann von ihrem Einkommen nicht leben und ist zusätzlich auf Hartz 4 angewiesen. Die zentrale Forderung des internationalen Frauentages nach „Gleichem Lohn für gleiche Arbeit“ bleibt auch nach 100 Jahren des Kampfes uneingelöst und kann wahrscheinlich innerhalb der kapitalistischen Wirtschaftsordnung auch nicht erreicht werden.

Zur allgemeinen Gewalt des kapitalistischen Systems, welche die Frauenunterdrückung grundlegend aufrecht erhält, kommt die individuelle Gewalt von Männern gegen Frauen. Erst 1997 wurde in der BRD Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt, Untersuchungen zufolge hat circa jede fünfte Frau die in einer heterosexuellen Paarbeziehung lebt häusliche oder sexuelle Gewalt erlebt.

Für uns gehören die Kämpfe gegen Patriarchat genauso wie gegen Rassismus und Kapitalismus, zusammen. Migrant_in oder Nachfahr_in nicht westeuropäischer Migrant_innen zu sein, bedeutet oft bereits durch die Zuschreibung von Herkunft gesellschaftliche Ausgrenzung. Diese Ausgrenzung drückt sich ebenfalls besonders häufig in geringerer Bezahlung oder prekären Beschäftigungen aus. Die so geschaffene Unsicherheit wird durch die patriarchale Struktur der kapitalistischen Gesellschaft noch verstärkt und befördert.

Der Kampf um die Befreiung der Frauen ist international!

Die Beseitigung dieser Zustände ist unser Ziel. Viele derzeitige linke und autonome Projekte, wie der bundesweite Streik der Gebäudereiniger_innen 2009 (einer Niedriglohnbrache mit sehr hohem Anteil an Frauen und Migrant_innen) oder auch der Fall Emmely zeigen, dass auch heute Frauen in der BRD bereit sind für ihre Rechte einzustehen und zu kämpfen.

Weltweit kämpfen Frauen für ihre Befreiung von patriachaler Unterdrückung und für die Überwindung menschenunwürdiger Lebensverhältnisse. Mit dem Aufbau von Frauenräten versucht z.B. die kurdische Frauenbewegung an vielen Orten, Frauen aus allen Teilen der Gesellschaft basisdemokratisch zu organisieren. Ziel dieses Organisierungsansatzes ist es, die Selbstbestimmung und den politischen Willen von Frauen zu stärken und den Aufbau einer demokratisch-ökologischen, geschlechterbefreiten Gesellschaft voranzutreiben. Unter den Bedingungen von Krieg und wiederholter Vertreibung, bauten sie sich Selbstverwaltungsstrukturen auf, mittels derer sie nun ihr Leben organisieren, ihren politischen Willen vertreten und patriarchale Herrschaft effektiv bekämpfen können.

Die so organisierten und vertretenen Frauen sind zumeist die ersten Ansprechpartnerinnen bei Fällen von Gewalt in der Familie, anstehenden Zwangsverheiratungen und anderen Formen patriarchaler Unterdrückung. In den Straßenzügen organisieren sie regelmäßige Frauenversammlungen und Bildungsarbeit an der Basis. Hier wird auch über lange Zeit tabuisierte Themen gesprochen wie Sexualität, Frauenanatomie oder Empfängnisverhütung.

Es ist wichtig dass wir uns in unserem Kampf mit anderen Bewegungen in der Welt vernetzen, denn die Überwindung von Patriachat, Rassismus und Kapitalismus ist nur in einer internationalen Perspektive denkbar.

Kampf gegen Patriarchat bedeutet Kampf für eine andere Gesellschaft!

In diesem Sinne kämpfen wir für eine Gesellschaft in der patriarchale Herrschaftsverhältnisse und Frauenunterdrückung überwunden sind und Menschen ihr Zusammenleben frei von biologistischen Zuschreibungen organisieren können und in der Raum für verschiedenste Formen des Zusammenlebens ist. Dazu gehört eine gesellschaftlich organisierte Erziehung von klein auf, die patriarchale Geschlechterrollen auflöst. Jungen und Mädchen müssen in einem Verständnis erzogen werden, das uns als Jugendlichen und Erwachsenen ein gleichberechtigtes Zusammenleben ohne sexistische Zuschreibungen und Vorurteile ermöglicht. In der häusliche und sexualisierte Gewalt der Vergangenheit angehören und in der Frauen über ihren Körper selbst bestimmen können.

Wir kämpfen für eine Gesellschaft in der nicht Verwertung und Profit im Mittelpunkt stehen, sondern in der für die Bedürfnisse der Menschen produziert und geplant wird. Eine Welt in der die kapitalistische Eigentumsordnung überwunden ist und damit die Möglichkeit gegeben, Armut, Hunger und Krankheit von denen weltweit mehrheitlich Frauen und Mädchen betroffen sind, endlich ein Ende zu setzen und allen eine menschenwürdige Existenz zu ermöglich.

Im Andenken an Clara Zetkin und Rosa Luxemburg stehen wir ein, für die volle Gleichberechtigung der Frauen weltweit. Diese Befreiung der Frauen kann nur durch die revolutionäre Überwindung des bestehenden Systems erreicht werden.

Heraus zum internationalen Frauentag 2011!

Dazu wollen wir rund um den 8. März mit Demonstrationen, Veranstaltungen und Aktionen beitragen. Beteilige dich! Nimm an den Aktionen teil, komm am Freitag, den 11. März in den gemischten oder den Frauen, Lesben, Bi- und Transsexuellen Block.

DEMONSTRATION | Freitag | 11. März | 16 Uhr | U-BHF Rathaus Neukölln
VERANSTALTUNG | Dienstag | 8. März | 19 Uhr | junge Welt-Ladengalerie | Torstraße 6


Wenn ihr den Aufruf unterstützen wollt schreibt bitte eine mail an: arab[at]riseup[dot]net


3 Antworten auf „Heraus zum 8.März 2011! Yasasin 8 Mart!“


  1. 1 Veronika 01. März 2011 um 18:16 Uhr

    Schon gehört: Demonstration, Kundgebung und Fest am 8. März unter dem Motto „Es lebe der 8. März! 100 Jahre Internationaler Frauentag!“ wird von einem Bündnis in Berlin schon seit einiger Zeit vorbereitet, und Ihr seid alle herzlich eingeladen am 8. März um 16.30 Uhr am Rosa-Luxemburg-Platz und um 17.30 Uhr Alexanderplatz an der Weltzeituhr. Es wird dazu eine Life-Schaltung nach Venezuela geben, wo ab dem 4. März eine Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen stattfindet. Lasst uns doch gemeinsam feiern und kämpfen!

    Gruß
    Veronika

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