1.Mai: Kohle, Küche, Kinder, Krise – der Druck steigt!

1.Mai: Kohle, Küche, Kinder, Krise – der Druck steigt!

Der 1. Mai steht seit über 125 Jahren als Symbol für soziale Kämpfe und gegen Ausbeutung und Unterdrückung.Weltweit wird er jedes Jahr von Millionen Menschen als Kampftag der Arbeiter_innen begangen. Im Zentrum steht, neben anderen sozialen Themen, die Arbeit und ihre Entlohnung, Themen, an denen sich bis heute die Unterdrückung der Frau klar erkennen lässt. Denn bis heute erhalten beispielsweise Frauen für die gleiche Arbeit einen geringeren Lohn. Deutschland nimmt dabei mit über 20% Lohnunterschied die Spitzenreiterposition im Vergleich der europäischen Länder ein. Und auch in leitenden Positionen sind Frauen deutlich unterrepräsentiert, was jedoch nicht bedeutet, dass wir uns der Forderung nach einer Frauenquote anschließen, denn auch von einem Kapitalismus mit Frauen in Spitzenpositionen hat der Großteil der Bevölkerung keine Verbesserungen ihrer Lebensbedingungen zu erwarten. Die Mehrheit der berufstätigen Frauen ist von je her im Niedriglohnsektor beschäftigt. Durch die im Zuge der Wirtschaftskrise massiv beschleunigte Prekarisierung von Lohnarbeitsverhältnissen, haben sich die Arbeitsbedingungen noch weiter verschlechtert. Viele Frauen sind von Entlassungen bedroht, wie zum Beispiel aktuell die Schlecker-Verkäuferinnen und werden zum Teil sogar gänzlich aus dem Arbeitsmarkt heraus gedrängt. Die aktuell diskutierte Einführung des „Betreuungsgeldes“ von monatlich 150 Euro würde eine solche Entwicklung nur weiter forcieren und Frauen zurück in die (ökonomische) Abhängigkeit von Ehe und Familie zwingen.

Ein in traditionellen ökonomischen Analysen häufig vernachlässigter Bereich der Arbeit ist die Reproduktionsarbeit (bzw. die Reproduktion der Arbeitskraft), die bis heute überwiegend von Frauen geleistet und entweder durch Ausbeutung (zum Beispiel in der Partnerschaft oder Familie) unentgeltlich angeeignet wird oder, als Lohnarbeit, mit geringer Entlohnung in prekären Beschäftigungsverhältnissen erfolgt. Ursache hierfür ist, dass es sich bei personengebunden Dienstleistungen, der sogenannten „Care“-Arbeit, um einen ökonomischen Sektor handelt, der, im Gegensatz zur landwirtschaftlichen oder industriellen Produktion sowie nicht-personengebundenen Dienstleistungen, wie dem Finanzwesen, keine Effizienzsteigerung aufweisen kann und daher auch keinen Profit abwirft. Das bedeutet, dass diese personengebundenen Dienstleistungen im Kapitalismus entweder so teuer sind, dass nur ein ganz geringer Teil der Bevölkerung sie sich leisten kann oder aber sie durch besondere Ausbeutungs- und Unterdrückungsmechanismen angeeignet werden müssen, ob nun verrichtet von Frauen, Migrant_innen, Hartz-IV-Empfänger_innen oder Rentner_innen.

Im Kapitalismus hat der Widerspruch zwischen den Geschlechtern seinen Ursprung in einem ökonomischen, letztlich in einem Klassenwiderspruch. Er basiert auf ökonomischer Ungleichheit und entspringt der Entstehung des Privateigentums und der damit einhergehenden Trennung von produktiver und reproduktiver Arbeit. Dieses Verhältnis ist auf verschiedenen Entwicklungsstufen der Klassengesellschaften Veränderungen unterworfen, bleibt als solches aber bestehen, solange die Herrschaft einer über eine andere Klasse bestehen bleibt.

Das bedeutet, dass sich unser Kampf gegen die Gesamtheit dieser Verhältnisse richten muss, denn die Befreiung der Frauen weltweit kann nur durch eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft erfolgen. Gleichzeitig haben Frauen schon immer in der Geschichte eine wichtige Rolle in den verschiedenen sozialen Kämpfen eingenommen, denn ohne sie und das Eintreten für ihre Belange kann es auch keine grundlegende Veränderung der Gesellschaft geben. Nehmen wir uns ein Beispiel an den Frauen, die bereits für ihre Befreiung kämpfen, sei es in den Kommunen Kurdistans, in den Fabriken Nordafrikas oder an den Universitäten Lateinamerikas. Lasst uns gemeinsam, solidarisch und entschlossen die kollektive Organisation der Reproduktionsarbeit und die Vergesellschaftung der Produktionsmittel angehen. Lasst uns auch hier wieder beginnen, gemeinsam auf die Straße zu gehen und mit unseren Kämpfen wahrnehmbar zu sein.

Heraus zum 1. Mai 2012 – der Druck steigt!
18 Uhr Lausitzer Platz


1 Antwort auf „1.Mai: Kohle, Küche, Kinder, Krise – der Druck steigt!“


  1. 1 Heraus zum 1. Mai 2012! « Entdinglichung Pingback am 27. April 2012 um 14:16 Uhr
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