Heraus zum 8. März – Emanzipation heißt Klassenkampf!

Vor 80 Jahren starb Clara Zetkin, Lehrerin, Mahnerin zur Einheit gegen Faschismus und Krieg, Revolutionärin, Frauenrechtlerin, Vertreterin der Internationalen Roten Hilfe und Mitbegründerin der proletarischen Frauenbewegung in Deutschland und international.
Ihr und anderen Mitstreiterinnen ist es zu verdanken, dass durch den Beschluss der 2. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz, im März 1911, zum ersten Mal der Internationale Frauentag begangen wurde.

Dabei standen die Forderungen um politische Mündigkeit – soziale und politische Gleichberechtigung, Frauenwahlrecht und der Kampf gegen den imperialistischen Krieg im Mittelpunkt. Zudem ging es um eine grundsätzliche Emanzipation durch revolutionäre Überwindung der kapitalistischen Eigentums- und Produktionsverhältnisse.

Pseudo-Emanzipation

Ein Großteil der über 100jährigen Forderungen der Frauenbewegung für Gleichberechtigung und Emanzipation gegen Ausbeutung und Unterdrückung haben noch heute Gültigkeit und sind aktueller den je.
Auch wenn Errungenschaften – wie das Wahlrecht für Frauen 1919 oder das Gleichbehandlungsgesetz von 1979 – wichtige Bestandteile und Voraussetzungen für das Wirken von Frauen mit anderen sozialen und ökonomischen Bewegungen bilden, bedeutet Emanzipation mehr als die bloße rechtliche Gleichstellung der Frau!

Heute verbinden viele mit der Emanzipation der Frau vor allem „Karriere, Freizeit und Familie unter einen Hut zu bringen“. Paradebeispiele sollen dabei etwa das Supermodel Heidi Klum, die rank und schlank, alleinerziehend mit vier Kindern ihren „Mann“ steht oder die junge und dynamische Familien- und Frauenministerin Kristina Schröder (CDU) sein, die ganz offen diskutiert, dass man sich Emanzipation eben leisten können muss.
Wirkliche Unterdrückung komme demnach nur in sogenannten „armen“ und „unzivilisierten“ Ländern vor.

Auch wenn es Frauen rechtlich und gesellschaftlich möglich ist, die berufliche Karriereleiter zu erklimmen oder Führungspositionen zu besetzen, liegt die Kindererziehung und -versorgung, sowie der Haushalt oftmals nach wie vor in dem Zuständigkeitsbereich von Frauen. Gerade die als „Superfrauen“ titulierten Klums und Schröders können sich Hilfe im Haushalt oder für ihre Kinder leisten, während die Reproduktionsarbeiten sonst üblicherweise an Frauen hängen bleibt.

Und nicht nur in diesem Bereich hat sich wenig verändert: Nach wie vor arbeitet ein Großteil der Frauen in „typischen Frauenberufen“ – beispielsweise in der Pflege, Erziehung und in klassischen Dienstleistungsberufen. Nach wie vor werden vor allem Frauen in prekäre Beschäftigungsverhältnisse gezwungen. Das heißt, sie müssen sich mit mehreren Jobs gleichzeitig rumschlagen, um ihre Existenz zu sichern. Besonders alleinerziehende Frauen sind betroffen, da sie häufig nur in Teilzeit arbeiten können. Nach wie vor verdienen Frauen im Durchschnitt weniger als Männer!

Staat, Patriarchat und Kapitalismus

Ob in der BRD, Türkei, Nordkurdistan oder Indien – überall auf der Welt leben Frauen in patriarchalen Herrschaftsverhältnissen und sind mit Ausbeutung und Unterdrückung konfrontiert. Noch immer werden Frauen durch unbezahlte Erziehungs- und Hausarbeit im Privaten ausgebeutet, sind eingezwängt in belastenden familiären Strukturen oder betroffen von häuslicher und sexualisierter Gewalt.

Zur Zeit sorgen die Vergewaltigungen in Indien für viel Aufsehen, doch dass diese geschehen ist nichts neues. Schon im Oktober 2011 wurde die inhafiterte Soni Sori, der Kontakte zur maoistischen Bewegung vorgeworfen werden, von Polizisten brutal gefoltert und vergewaltigt. Die indischen Behörden tolerieren diese sexuellen Übergriffe und gehen Hand in Hand mit den Tätern. Sexualisierte Gewalt ist aber nicht nur dort ein Problem. 40 % der in Deutschland lebenden Frauen erlebt in ihrem Leben körperliche und/oder sexuelle Gewalt.

Eine Kritik an diesem Zustand ist aber nicht ohne Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen möglich!
 Das heißt, die Frage der heutigen Geschlechterverhältnisse kann nicht losgelöst von der grundsätzlichen kapitalistischen Beschaffenheit dieser Gesellschaft gedacht werden. Eine Überwindung der herrschenden patriarchalen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung ist erst möglich, wenn wir es schaffen diese einengenden Geschlechterverhältnisse hinter uns zu lassen.

Frauenkämpfe – heute und morgen

Die aktuell geführten Kämpfen von Frauen – hierzulande und weltweit – gegen Unterdrückung und Ausbeutung, Rassismus, Patriarchat und Kapitalismus, zeigen: Kämpfen lohnt sich!
Seien es die streikenden Frauen bei Opel, die für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze kämpfen oder jene, die derzeit in den sozialen Netzwerken die alltäglichen sexistischen Grenzübertritte à la Brüderle (FDP) thematisieren. Oder die unzähligen Menschen, die nach der Vergewaltigung einer Studentin in Indien auf die Straße gehen, um gegen die dortigen frauenverachtenden, gesellschaftlichen Zustände zu protestieren.

Die ermordeten kurdischen Frauenrechtlerinnen und Freiheitskämpferinnen Sakine Cansiz, Fidan Doğan und Leyla Şaylemez sind Symbolfiguren der Kämpfe von kurdischen Frauen. Unter der Losung »Wir Frauen sind die Ehre von niemandem – unsere Ehre ist unsere Freiheit« kämpften und kämpfen Sakine, Fidan, Leyla und viele andere kurdische Frauen heute nicht nur für Frieden und Anerkennung ihrer kurdischen Sprache und Kultur, sondern auch gegen patriarchale Unterdrückung und für ein selbstbestimmtes Leben. Sakine – Fidan – Leyla leben in unseren Herzen weiter! Hoch die internationale Solidarität – Şehit namirin!

Sowohl die historische, als auch die aktuelle Entwicklung der Forderungen der Frauenbewegung und ihre Kämpfe, gelten immer wieder als Grundlage für unseren weiteren Kampf.
Deswegen lasst uns, wie Clara Zetkin es benannte: „[…] Sorge tragen, dass der Frauentag nicht nur eine glänzende Demonstration für die politische [und soziale] Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts, sondern darüber hinaus der Ausdruck einer Rebellion gegen den Kapitalismus, eine leidenschaftliche Kampfansage all den reaktionären Maßnahmen der […] Regierung ist.“

In diesem Sinne lasst uns gemeinsam und solidarisch kämpfen:

für eine soziale und politische Gleichberechtigung!
für die sexuelle und individuelle Selbstbestimmung!
für ein selbstbestimmtes Leben!
für die Abschaffung patriarchaler Strukturen!

Heraus zum Internationalen Frauenkampftag!

DEMONSTRATION | Samstag | 09. März | 15 Uhr | Hermannplatz