Frauenkämpfe und Erster Mai:

Keine Befreiung der Frau ohne Revolution – keine Revolution ohne Befreiung der Frau

Der erste Mai wird weltweit als Kampftag der Arbeiter_innen begangen, er geht zurück auf den von der nordamerikanischen Arbeiter_innenbewegung organisierten Generalstreik am 1. Mai 1886. In Erinnerung an die Massendemonstrationen und mehrtägigen Streiks, die blutig niedergeschlagen wurden und eine globale Welle der Solidarität auslösten, rief der Gründungskongress der Zweiten Internationale den Tag als weltweiten Kampftag ins Leben. Ende des 19. Jahrhunderts in Chicago kämpften die Arbeiter_innen für den 8-Stunden-Tag und bis heute nehmen die Kämpfe um Arbeitsbedingungen und Löhne am ersten Mai eine zentrale Rolle ein.

Auch in den Kämpfen der Frauenbewegungen sind diese Themen nach wie vor
auf der Tagesordnung, denn die Unterdrückung der Frau wird unter anderem
bei Betrachtung ihrer ökonomischen Situation besonders deutlich: bis heute
verdienen Frauen zum Beispiel im Durchschnitt über 20% weniger als Männer.
Die Kritik an der ökonomischen Benachteiligung der Frau, wie sie bereits
die proletarische Frauenbewegung formulierte, ist auch heute noch aktuell.

Die proletarische Frauenbewegung

In der Ersten Internationale, die 1864 gegründet wurde, wurde auch die
Frauenfrage diskutiert, einige Vertreter_innen, darunter Friedrich Engels,
sahen die Einbeziehung der Arbeiterinnen als Notwendigkeit für die
Befreiung des Proletariats. Dadurch wurde die bewusste Eingliederung von
Arbeiterinnen in die Gewerkschaften und Arbeiter_innenvereine möglich und
markierte den Beginn eines geschlechterübergreifenden revolutionären
Kampfes für Emanzipation und gegen Ausbeutung und Unterdrückung.

In der Pariser Kommune von 1871 wurden Frauen erstmals Mitglieder eines
politischen Gremiums, dem Stadtrat („Commune“). Aber vor allem spielten
Frauen auch eine wesentliche Rolle im Aufstand der Pariser Bevölkerung,
der diesen ersten Versuch der Selbstverwaltung durch Räte möglich machte.
Sie streikten in den Fabriken, kämpften auf den Barrikaden und
organisierten sich in unabhängigen Komitees.

Die stärkere Einflussnahme von Frauen in der Arbeiter_innenbewegung setzte
sich mit Gründung eigenständiger Organisationen, wie den sogenannten
„Arbeiterfrauenvereinen“ fort. So gründete beispielsweise Pauline
Staegemann 1873 den „Berliner Arbeiterfrauen- und Mädchenverein“, einen
der ersten sozialistischen Frauenvereine. Bis 1914 war die Frauenbewegung
zu einer Massenbewegung angewachsen. Mit dem Ausbruch des Ersten
Weltkrieges und den damit einhergehenden sozialen Veränderungen drängten
sich Themen wie Arbeitslosigkeit, Krieg, soziale Not und die Erhöhung der
Frauenerwerbsquote immer stärker auf. Clara Zetkin und Rosa Luxemburg sind
berühmte Beispiele für kämpfende Frauen, die sich in dieser Zeit
organisiert und mit aller Konsequenz gegen den Krieg und für die soziale
Revolution engagierten.

Frauenbefreiung und Kapitalismus

Dabei vertrat schon Clara Zetkin die Position, dass die Befreiung der Frau
nur in einer sozialistischen Gesellschaft, das heißt durch eine
revolutionäre Überwindung des Kapitalismus verwirklicht werden kann. Denn
im Kapitalismus entspringt der Widerspruch zwischen Mann und Frau einem
ökonomischen, letztlich einem Klassenwiderspruch. Er basiert auf der
ökonomischen Ungleichheit und hat seinen Ursprung in der Entstehung des
Privateigentums und der damit einhergehenden Trennung von produktiver und
reproduktiver Arbeit. Dieses Verhältnis ist auf verschiedenen
Entwicklungsstufen der Klassengesellschaften Veränderungen unterworfen,
bleibt als solches aber bestehen, solange die Herrschaft einer über eine
andere Klasse bestehen bleibt.

Zur Überwindung dieser Verhältnisse braucht es organisierte und
gesellschaftlich wahrnehmbare Kämpfe von Frauen. Lasst uns deshalb auch an
diesem Ersten Mai zusammen mit vielen kämpfenden Frauen weltweit unsere
Wut und unseren Widerstand gegen diese Verhältnisse auf die Straße tragen.

Keine Befreiung der Frau ohne Revolution!
Keine Revolution ohne Befreiung der Frau!
Viva la revolución!

1. Mai 2013 18 Uhr Spreewaldplatz (U-Bhf. Görlitzer Bahnhof)