Aufruf 2013
Emanzipation heißt Klassenkampf

Vor 80 Jahren starb Clara Zetkin, Lehrerin, Mahnerin zur Einheit gegen Faschismus und Krieg, Revolutionärin, Frauenrechtlerin, Vertreterin der Internationalen Roten Hilfe und Mitbegründerin der proletarischen Frauenbewegung in Deutschland und international.
Ihr und anderen Mitstreiterinnen ist es zu verdanken, dass durch den Beschluss der 2. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz, im März 1911, zum ersten Mal der Internationale Frauentag begangen wurde.

Dabei standen die Forderungen um politische Mündigkeit – soziale und politische Gleichberechtigung, Frauenwahlrecht und der Kampf gegen den imperialistischen Krieg im Mittelpunkt. Zudem ging es um eine grundsätzliche Emanzipation durch revolutionäre Überwindung der kapitalistischen Eigentums- und Produktionsverhältnisse.

Pseudo-Emanzipation

Ein Großteil der über 100jährigen Forderungen der Frauenbewegung für Gleichberechtigung und Emanzipation gegen Ausbeutung und Unterdrückung haben noch heute Gültigkeit und sind aktueller den je.
Auch wenn Errungenschaften – wie das Wahlrecht für Frauen 1919 oder das Gleichbehandlungsgesetz von 1979 – wichtige Bestandteile und Voraussetzungen für das Wirken von Frauen mit anderen sozialen und ökonomischen Bewegungen bilden, bedeutet Emanzipation mehr als die bloße rechtliche Gleichstellung der Frau!

Heute verbinden viele mit der Emanzipation der Frau vor allem „Karriere, Freizeit und Familie unter einen Hut zu bringen“. Paradebeispiele sollen dabei etwa das Supermodel Heidi Klum, die rank und schlank, alleinerziehend mit vier Kindern ihren „Mann“ steht oder die junge und dynamische Familien- und Frauenministerin Kristina Schröder (CDU) sein, die ganz offen diskutiert, dass man sich Emanzipation eben leisten können muss.
Wirkliche Unterdrückung komme demnach nur in sogenannten „armen“ und „unzivilisierten“ Ländern vor.

Auch wenn es Frauen rechtlich und gesellschaftlich möglich ist, die berufliche Karriereleiter zu erklimmen oder Führungspositionen zu besetzen, liegt die Kindererziehung und -versorgung, sowie der Haushalt oftmals nach wie vor in dem Zuständigkeitsbereich von Frauen. Gerade die als „Superfrauen“ titulierten Klums und Schröders können sich Hilfe im Haushalt oder für ihre Kinder leisten, während die Reproduktionsarbeiten sonst üblicherweise an Frauen hängen bleibt.

Und nicht nur in diesem Bereich hat sich wenig verändert: Nach wie vor arbeitet ein Großteil der Frauen in „typischen Frauenberufen“ – beispielsweise in der Pflege, Erziehung und in klassischen Dienstleistungsberufen. Nach wie vor werden vor allem Frauen in prekäre Beschäftigungsverhältnisse gezwungen. Das heißt, sie müssen sich mit mehreren Jobs gleichzeitig rumschlagen, um ihre Existenz zu sichern. Besonders alleinerziehende Frauen sind betroffen, da sie häufig nur in Teilzeit arbeiten können. Nach wie vor verdienen Frauen im Durchschnitt weniger als Männer!

Staat, Patriarchat und Kapitalismus

Ob in der BRD, Türkei, Nordkurdistan oder Indien – überall auf der Welt leben Frauen in patriarchalen Herrschaftsverhältnissen und sind mit Ausbeutung und Unterdrückung konfrontiert. Noch immer werden Frauen durch unbezahlte Erziehungs- und Hausarbeit im Privaten ausgebeutet, sind eingezwängt in belastenden familiären Strukturen oder betroffen von häuslicher und sexualisierter Gewalt.

Zur Zeit sorgen die Vergewaltigungen in Indien für viel Aufsehen, doch dass diese geschehen ist nichts neues. Schon im Oktober 2011 wurde die inhafiterte Soni Sori, der Kontakte zur maoistischen Bewegung vorgeworfen werden, von Polizisten brutal gefoltert und vergewaltigt. Die indischen Behörden tolerieren diese sexuellen Übergriffe und gehen Hand in Hand mit den Tätern. Sexualisierte Gewalt ist aber nicht nur dort ein Problem. 40 % der in Deutschland lebenden Frauen erlebt in ihrem Leben körperliche und/oder sexuelle Gewalt.

Eine Kritik an diesem Zustand ist aber nicht ohne Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen möglich!
 Das heißt, die Frage der heutigen Geschlechterverhältnisse kann nicht losgelöst von der grundsätzlichen kapitalistischen Beschaffenheit dieser Gesellschaft gedacht werden. Eine Überwindung der herrschenden patriarchalen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung ist erst möglich, wenn wir es schaffen diese einengenden Geschlechterverhältnisse hinter uns zu lassen.

Frauenkämpfe – heute und morgen

Die aktuell geführten Kämpfen von Frauen – hierzulande und weltweit – gegen Unterdrückung und Ausbeutung, Rassismus, Patriarchat und Kapitalismus, zeigen: Kämpfen lohnt sich!
Seien es die streikenden Frauen bei Opel, die für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze kämpfen oder jene, die derzeit in den sozialen Netzwerken die alltäglichen sexistischen Grenzübertritte à la Brüderle (FDP) thematisieren. Oder die unzähligen Menschen, die nach der Vergewaltigung einer Studentin in Indien auf die Straße gehen, um gegen die dortigen frauenverachtenden, gesellschaftlichen Zustände zu protestieren.

Die ermordeten kurdischen Frauenrechtlerinnen und Freiheitskämpferinnen Sakine Cansiz, Fidan Doğan und Leyla Şaylemez sind Symbolfiguren der Kämpfe von kurdischen Frauen. Unter der Losung »Wir Frauen sind die Ehre von niemandem – unsere Ehre ist unsere Freiheit« kämpften und kämpfen Sakine, Fidan, Leyla und viele andere kurdische Frauen heute nicht nur für Frieden und Anerkennung ihrer kurdischen Sprache und Kultur, sondern auch gegen patriarchale Unterdrückung und für ein selbstbestimmtes Leben. Sakine – Fidan – Leyla leben in unseren Herzen weiter! Hoch die internationale Solidarität – Şehit namirin!

Sowohl die historische, als auch die aktuelle Entwicklung der Forderungen der Frauenbewegung und ihre Kämpfe, gelten immer wieder als Grundlage für unseren weiteren Kampf.
Deswegen lasst uns, wie Clara Zetkin es benannte: „[…] Sorge tragen, dass der Frauentag nicht nur eine glänzende Demonstration für die politische [und soziale] Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts, sondern darüber hinaus der Ausdruck einer Rebellion gegen den Kapitalismus, eine leidenschaftliche Kampfansage all den reaktionären Maßnahmen der […] Regierung ist.“

In diesem Sinne lasst uns gemeinsam und solidarisch kämpfen:

für eine soziale und politische Gleichberechtigung!
für die sexuelle und individuelle Selbstbestimmung!
für ein selbstbestimmtes Leben!
für die Abschaffung patriarchaler Strukturen!
Heraus zum Internationalen Frauenkampftag!

DEMONSTRATION | Samstag | 09. März | 15 Uhr | Hermannplatz

Aufruf 2012:
Heraus zum internationalen Frauenkampftag 2012!

Am 19. März 1911 wurde, auf Beschluss der 2. internationalen Frauenkonferenz, zum ersten Mal der internationale Frauentag begangen. Im Mittelpunkt standen damals die Forderung nach dem Frauenwahlrecht, Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt und der Kampf gegen den imperialistischen Krieg. Das war eng mit dem Streben verknüpft, die bestehenden kapitalistischen Verhältnisse zu überwinden, denn, so Clara Zetkin, „die Emanzipation der Frau wie die des ganzen Menschengeschlechtes wird ausschließlich das Werk der Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein“.

Die von der herrschenden Klasse forcierte Loslösung der Geschlechterfrage von den kapitalistischen Eigentums- und Produktionsverhältnissen lässt den internationalen Frauenkampftag im bürgerlichen Mainstream zu einem zweiten Valentinstag verkommen. Trotz formaler Gleichsetzung bestehen patriarchale Herrschaftsverhältnisse weiter und die Frau muss sich noch immer der doppelten Ausbeutung und Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt und in der Familie unterziehen. Alle Versuche die Ungleichheiten durch Reformen zu beseitigen, sind zum Scheitern verurteilt, da sie nicht an deren Wurzel, der kapitalistischen Gesellschaft, ansetzen.

Die vor 100 Jahren erhobene Forderung nach „gleichem Lohn für gleiche Arbeit“ beweist auch heute ihre Aktualität, denn Frauen verdienen im Durchschnitt 23% weniger als Männer. Enter raus
Durch fehlende Kinderbetreuung und der traditionellen Zuschreibung der Kindererziehung zur Frau müssen sie sich häufig in prekäre Beschäftigungsformen, wie Leiharbeit und Minijobs, einfügen und stellen den Großteil der im Niedriglohnsektor Beschäftigten.

Von dieser Arbeit können die wenigsten Leben, wodurch ihnen ein selbstbestimmtes Leben verwehrt bleibt. Der, seit Beginn der Wirtschaftskrise, vermehrte Stellenabbau im öffentlichen und sozialen Bereich, also den Bereichen der „typischen Frauenberufe“, führt dazu, dass Frauen wieder zurück in den Haushalt gedrängt werden.

Schon im frühesten Kindesalter werden Mädchen in „typische Frauenrollen“ gedrängt, indem sie Puppen statt Autos geschenkt bekommen und in der Schule meist nur in „Mädchenfächern“ wie Musik und Sprachen gefördert werden. Mit der ersten Barbie wird ihnen gezeigt, wie Frauenkörper idealer Weise auszusehen haben. Das Schönheitsbild, das unter anderem durch Medien und Industrie produziert wird und mit realen Körpern nicht viel gemein hat, führt dazu, dass Mädchen und Frauen nach vermeintlicher Perfektion streben und nicht selten an z.B. Essstörungen erkranken. Verantwortlich dafür ist die kapitalistische, patriarchale und profitorientierte Gesellschaft, insbesondere die Modeindustrie, welche vor allem durch Vermarktung des weiblichen, möglichst mageren und nackten, Körpers funktioniert.

Die Vermarktung des weiblichen Körpers geht bis zu dessen Verkauf durch Prostitution. In der BRD arbeiten ca. 400.000 Frauen als Prostituierte. Satz doch nicht streichen!!!
Von der männlich dominierten Mehrheitsgesellschaft ist keine Kritik zu erwarten, denn tagtäglich nehmen 1,2 Millionen Männer diese „Dienstleistung“ in Anspruch. Der deutsche Staat toleriert diesen Verkauf und legitimiert die damit verbundene Ausbeutung und Erniedrigung der Frau. Somit wird auch hier das Profitinteresse der herrschenden Klasse vertreten.

Ein weiterer Eingriff in die Selbstbestimmung über den eigenen Körper ist der §218 StGB. Ein Schwangerschaftsabbruch wird zwar nicht mehr strafrechtlich verfolgt, aber die Möglichkeit des staatlichen Eingreifens bleibt durch die 3-Monatsfrist und die Verpflichtung eines Beratungsgespräches bestehen. Dazu kommt, dass Beratungsstellen teils kirchliche Träger haben. Abtreibung wird dort oft geächtet und als Mord dargestellt und es wird versucht der Frau den Abbruch auszureden.

Zu den psychischen Zwängen, denen Frauen im Alltag ausgesetzt sind, kommen oft körperliche Erfahrungen von Gewalt und Unterdrückung. So ist jede siebte Frau über 16 in der BRD bereits betroffen von sexualisierter Gewalt gewesen, weltweit jede dritte. Die Spanne erstreckt sich von bereits beschriebenen „alltäglichen“ Sexismen der Gesellschaft über Belästigung, z.B. am Arbeitsplatz oder der Schule, bis hin zu sexuellem Missbrauch, Vergewaltigungen und Menschenhandel. So gab es allein in der BRD im Jahr 2010 knapp 8.000 Anzeigen wegen Vergewaltigung, wobei die Dunkelziffer bis zu 10 mal höher geschätzt wird. All dies macht deutlich, dass die Frage der Emanzipation keineswegs gelöst ist und lediglich am Rande noch „Ausrutscher“ vorkommen, sondern dass die kapitalistische Gesellschaft auf der Unterdrückung der Frau basiert.

Um die internationale Dimension unserer Kämpfe nicht aus dem Blick zu verlieren, muss man auch auf aktuelle Kämpfe eingehen, die tagtäglich jenseits der kapitalistischen Metropolen von Frauen geführt werden. Als positives Beispiel kann uns die kurdische Frauenbewegung vorangehen. Sie setzen sich für eine demokratisch-ökologische und geschlechterbefreite Gesellschaft, Selbstbestimmung und die Überwindung patriarchaler und kapitalistischer Strukturen ein. Organisiert sind sie meist in basisdemokratischen Frauenräten.

Die Frauenfrage muss wieder stärker in den Fokus rücken, damit eine klassenkämpferische Frauenbewegung entstehen kann und die Emanzipation der Frau und der gesamten Menschheit vom Kapitalismus verwirklicht werden kann. Um den Umsturz der Verhältnisse zu erwirken müssen wir an vergangene und aktuelle Kämpfe anknüpfen, „alle Verhältnisse umwerfen in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist!“ (Karl Marx) und uns mit allen fortschrittlichen Bewegungen weltweit solidarisieren. Unser Ziel muss die Überwindung der Geschlechtergegensätze sein, womit die Überwindung der Klassengegensätze und letztendlich des Kapitalismus zwingend notwendig wird.

Nieder mit dem Patriarchat! Nieder mit dem Kapitalismus!
Für eine solidarische und emanzipierte Gesellschaft!

Aufruf „3a“ 2012:
Heraus zum internationalen Frauenkampftag

Auch im Jahr 2012 stellt der 8. März als internationaler Frauenkampftag für uns als revolutionäre Linke einen wichtigen Bezugspunkt dar. Frauen sind immer noch besonders unterdrückt, hier in den imperialistischen Metropolen und in den unterdrückten Ländern.

Sie verdienen weniger Lohn, werden in Schule und Ausbildung benachteiligt, ihr Körper wird durch Medien und Werbung zu einer Ware herabgewürdigt. Gewalt gegen Frauen ist Alltag. „Gleichberechtigung“ gibt es, wenn überhaupt, nur auf dem Papier. Diese Unterdrückung der Frau resultiert aus den Eigentumsverhältnissen und den patriarchalen Strukturen der Gesellschaft.

Der gemeinsame Kampf von emanzipierten Frauen und Männern für Gleichberechtigung muss sich gegen diese Verhältnisse richten. Die Befreiung der Frauen kann nur durch die grundlegende Veränderung dieser Gesellschaft erfolgen. Kollektive Organisation der Reproduktionsarbeit und Vergesellschaftung der Produktionsmittel sind die Grundvorraussetzungen, die von uns im Kampf gegen die alte Ordnung geschaffen werden müssen.

Kampf um die Befreiung der Frauen!
Auf die Straße in der Tradition des 8. März!

3a- Revolutionäres Bündnis

Aufruf 2011:
Heraus zum 8.März 2011! Yasasin 8 Mart!
Zusammen Kämpfen gegen Patriarchat, Ausbeutung und Unterdrückung!

Vor 100 Jahren wurde der internationale Kampftag der Frauen erstmalig begangen. Auf Beschluss der Zweiten Internationalen Frauenkonferenz in Kopenhagen versammelten sich am 19. März 1911 Frauen in Dänemark, Österreich, der Schweiz und den USA. Auch in Deutschland nahmen über eine Millionen Menschen (hauptsächlich Frauen) daran teil. Eingebunden in die Kämpfe der internationalen sozialistischen Bewegung, forderten die Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts in erster Linie politische Mündigkeit (Frauenwahlrecht) und Gleichbehandlung auf dem Arbeitsmarkt. Gleichzeitig ging es jedoch auch um eine grundsätzliche Emanzipation im Rahmen einer revolutionären Überwindung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. So Clara Zetkin in der “Gleichheit” zum Frauentag: „Wir müssen Sorge tragen, daß der Frauentag nicht nur eine glänzende Demonstration für die politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts, sondern darüber hinaus der Ausdruck einer Rebellion gegen den Kapitalismus, eine leidenschaftliche Kampfansage all den reaktionären Maßnahmen der Besitzenden und ihrer willfähigen Dienerschaft, der Regierung ist.“

Bereits alles erreicht?

Heute verbinden die meisten Jugendlichen mit Frauenemanzipation das Recht Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen, wirkliche Unterdrückung scheint nur in anderen Ländern vorzukommen. Seit etwa 90 Jahren dürfen Frauen in Deutschland wählen, mit dem Grundgesetz werden Männer und Frauen in der BRD verfassungsrechtlich gleichgestellt und 1979 auch im Arbeitsleben. Diese vor allem durch Frauen im Zusammenwirken mit anderen sozialen Bewegungen erreichten Ziele sind wichtig, doch Emanzipation bedeutet in unseren Augen mehr als bloße rechtliche Gleichstellung, es geht um sexuelle und individuelle Selbstbestimmung, es geht um das Aufbrechen der Vorherrschaft von Männern über Strukturen, es geht um selbstbestimmte Lebensgestaltung.

Auch heute sind diese Forderungen nach wie vor aktuell. Ob in der Türkei/Nordkurdistan oder in den europäischen Metropolen, überall auf der Welt leben Frauen in patriarchalen Herrschaftsverhältnissen, sind konfrontiert mit Ausbeutung und Unterdrückung. Nach wie vor werden Frauen durch unbezahlte Erziehungs- und Hausarbeit ausgebeutet, bleiben in familiären Strukturen gefangen und sind betroffen von häuslicher und sexualisierter Gewalt. Auf dem Arbeitsmarkt werden Frauen in prekäre Beschäftigungsverhältnisse gezwungen und müssen sich vermehrt mit mehreren Jobs gleichzeitig rumschlagen, um ihre Existenz zu sichern. Deshalb gilt auch heute, die Frage der Geschlechterverhältnisse nicht losgelöst von der grundsätzlichen kapitalistischen Beschaffenheit der Gesellschaft zu denken und für die Perspektive einer revolutionären Überwindung dieser Verhältnisse einzutreten.

Kapitalismus und Patriarchat

In der Gesellschaft, in der wir heute leben, dem Kapitalismus, werden Mädchen und Frauen trotz einer formalen Gleichberechtigung diskriminiert. Trotz aller angeblichen Bemühungen, Frauen die gleichen Rechte zuzugestehen, ändert sich daran nichts. Sie sind wie alle Menschen dazu gezwungen ihre Arbeitskraft zu Markte zu tragen um überleben zu können, jedoch meist zu deutlich schlechteren Konditionen als Männer. Sie erhalten immer noch weniger Lohn für die gleiche Arbeit und müssen häufig schlechtere Arbeitsbedingungen hinnehmen.
Auch heute wird der Großteil der Haus- und Erziehungsarbeit noch von Frauen verrichtet. Vor allem ärmere Frauen sind dadurch schlechter gestellt – im Gegensatz zu Besserverdienenden, die sich private Dienstleistungen wie Reinigungskräfte oder Kindermädchen leisten. Besonders betroffen sind alleinerziehende Frauen, die häufig nur in Teilzeit arbeiten können, fast die Hälfte von ihnen kann von ihrem Einkommen nicht leben und ist zusätzlich auf Hartz 4 angewiesen. Die zentrale Forderung des internationalen Frauentages nach „Gleichem Lohn für gleiche Arbeit“ bleibt auch nach 100 Jahren des Kampfes uneingelöst und kann wahrscheinlich innerhalb der kapitalistischen Wirtschaftsordnung auch nicht erreicht werden.

Zur allgemeinen Gewalt des kapitalistischen Systems, welche die Frauenunterdrückung grundlegend aufrecht erhält, kommt die individuelle Gewalt von Männern gegen Frauen. Erst 1997 wurde in der BRD Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt, Untersuchungen zufolge hat circa jede fünfte Frau die in einer heterosexuellen Paarbeziehung lebt häusliche oder sexuelle Gewalt erlebt.

Für uns gehören die Kämpfe gegen Patriarchat genauso wie gegen Rassismus und Kapitalismus, zusammen. Migrant_in oder Nachfahr_in nicht westeuropäischer Migrant_innen zu sein, bedeutet oft bereits durch die Zuschreibung von Herkunft gesellschaftliche Ausgrenzung. Diese Ausgrenzung drückt sich ebenfalls besonders häufig in geringerer Bezahlung oder prekären Beschäftigungen aus. Die so geschaffene Unsicherheit wird durch die patriarchale Struktur der kapitalistischen Gesellschaft noch verstärkt und befördert.

Der Kampf um die Befreiung der Frauen ist international!

Die Beseitigung dieser Zustände ist unser Ziel. Viele derzeitige linke und autonome Projekte, wie der bundesweite Streik der Gebäudereiniger_innen 2009 (einer Niedriglohnbrache mit sehr hohem Anteil an Frauen und Migrant_innen) oder auch der Fall Emmely zeigen, dass auch heute Frauen in der BRD bereit sind für ihre Rechte einzustehen und zu kämpfen.

Weltweit kämpfen Frauen für ihre Befreiung von patriachaler Unterdrückung und für die Überwindung menschenunwürdiger Lebensverhältnisse. Mit dem Aufbau von Frauenräten versucht z.B. die kurdische Frauenbewegung an vielen Orten, Frauen aus allen Teilen der Gesellschaft basisdemokratisch zu organisieren. Ziel dieses Organisierungsansatzes ist es, die Selbstbestimmung und den politischen Willen von Frauen zu stärken und den Aufbau einer demokratisch-ökologischen, geschlechterbefreiten Gesellschaft voranzutreiben. Unter den Bedingungen von Krieg und wiederholter Vertreibung, bauten sie sich Selbstverwaltungsstrukturen auf, mittels derer sie nun ihr Leben organisieren, ihren politischen Willen vertreten und patriarchale Herrschaft effektiv bekämpfen können.

Die so organisierten und vertretenen Frauen sind zumeist die ersten Ansprechpartnerinnen bei Fällen von Gewalt in der Familie, anstehenden Zwangsverheiratungen und anderen Formen patriarchaler Unterdrückung. In den Straßenzügen organisieren sie regelmäßige Frauenversammlungen und Bildungsarbeit an der Basis. Hier wird auch über lange Zeit tabuisierte Themen gesprochen wie Sexualität, Frauenanatomie oder Empfängnisverhütung.

Es ist wichtig dass wir uns in unserem Kampf mit anderen Bewegungen in der Welt vernetzen, denn die Überwindung von Patriachat, Rassismus und Kapitalismus ist nur in einer internationalen Perspektive denkbar.

Kampf gegen Patriarchat bedeutet Kampf für eine andere Gesellschaft!

In diesem Sinne kämpfen wir für eine Gesellschaft in der patriarchale Herrschaftsverhältnisse und Frauenunterdrückung überwunden sind und Menschen ihr Zusammenleben frei von biologistischen Zuschreibungen organisieren können und in der Raum für verschiedenste Formen des Zusammenlebens ist. Dazu gehört eine gesellschaftlich organisierte Erziehung von klein auf, die patriarchale Geschlechterrollen auflöst. Jungen und Mädchen müssen in einem Verständnis erzogen werden, das uns als Jugendlichen und Erwachsenen ein gleichberechtigtes Zusammenleben ohne sexistische Zuschreibungen und Vorurteile ermöglicht. In der häusliche und sexualisierte Gewalt der Vergangenheit angehören und in der Frauen über ihren Körper selbst bestimmen können.

Wir kämpfen für eine Gesellschaft in der nicht Verwertung und Profit im Mittelpunkt stehen, sondern in der für die Bedürfnisse der Menschen produziert und geplant wird. Eine Welt in der die kapitalistische Eigentumsordnung überwunden ist und damit die Möglichkeit gegeben, Armut, Hunger und Krankheit von denen weltweit mehrheitlich Frauen und Mädchen betroffen sind, endlich ein Ende zu setzen und allen eine menschenwürdige Existenz zu ermöglich.

Im Andenken an Clara Zetkin und Rosa Luxemburg stehen wir ein, für die volle Gleichberechtigung der Frauen weltweit. Diese Befreiung der Frauen kann nur durch die revolutionäre Überwindung des bestehenden Systems erreicht werden.

Heraus zum internationalen Frauentag 2011!

Dazu wollen wir rund um den 8. März mit Demonstrationen, Veranstaltungen und Aktionen beitragen. Beteilige dich! Nimm an den Aktionen teil, komm am Freitag, den 11. März in den gemischten oder den Frauen, Lesben, Bi- und Transsexuellen Block.

DEMONSTRATION | Freitag | 11. März | 16 Uhr | U-BHF Rathaus Neukölln
VERANSTALTUNG | Dienstag | 8. März | 19 Uhr | junge Welt-Ladengalerie | Torstraße 6

Wenn ihr den Aufruf unterstützen wollt schreibt bitte eine mail an: arab[at]riseup[dot]net